Kracher auf Kracher aber nicht alle Kracher sind gut!
Die Profiboxveranstaltung in Halle/Saale am 31. Mai versprach einige Höhepunkte. Das diese Glanzlichter jedoch anders als erwartet ausfielen, lag weniger an den Sportlern. FIGHTtv war direkt am Ring und konnte einiges nur kopfschüttelnd ertragen.
Schon vor Beginn der Veranstaltung ging es wettertechnisch hoch her Gewitter und ein Guß vom Feinsten verhinderten den pünktlichen Beginn. Die Feuerwehr wurde eingesetzt, damit Besucher und Sportler mit halbwegs trockenen Füßen die Halle erreichen konnte. Dafür muß man eindeutig die Veranstalter Commander Boxpromotion & Lorenz Veranstaltungen loben. Doch dieses Gefühl des gutaufgehoben seins verschwand recht schnell:
Unser erster wichtiger Berichtspunkt sollte eigentlich der Kampf des CVFS Profiboxer Andy Thiele gegen Ahmad Ismail vom Commander Boxstall sein. Von Boxsport seitens der blauen Ecke war nichts zu sehen. Ismail verwechselte den Boxring eher mit einem Streetfight. Thiele versuchte den Gegner, den Begriff Boxer sparen wir uns bei dem Hallenser Ismail, mit Taktik und Technik auszuboxen. Leider sahen das wohl nicht alle so. Trotz Innenhände und zu tiefen Kopf sowie den andauernden Das ist das letzte Mal- Kopf hoch! Ermahnungen seitens des völlig überforderten Kampfrichters, geschah erst in der vierten und letzten Runde die Verwarnung mit Punktabzug gegen Ismail. Wir sahen einen leichten Vorsprung für Thiele, hätten auch noch ein Unentschieden akzeptieren können aber der erste kleine Skandal baute sich auf: Der Kampf wurde Ismail zugesprochen. Das Publikum aus Halle ohne Boxsachverstand freute sich die Boxsportfreunde und Boxexperten wunderten sich. Generell kann man sagen, es war nicht das sonst so sachverständige hallenser Publikum, sondern eher eine heerschar von Straßenrowdies ausländischer Herkunft, was sich noch weiter bestätigen sollte ... sogar beim einheimischen Steve Krökel.
Thiele meinte nach dem Kampf gegenüber FIGHTtv: Ich verstehe das nicht, der hat im Ring nicht geboxt, er ist kein Boxer! Der fightet wie auf der Disco - schlägt wie er will, eigentlich kaum richtige Treffer. Und ich verliere? Wir wissen nicht, wie die Punkte zustande kamen und würden gern hinter der Urteilsfindung ein dickes Fragezeichen setzen.
Andy Thiele hat sich sehr stark verbessert und zeigte im Ring das er sich technisch als auch in der Kraft weiterentwickelt hat. Wenn Thiele so weiter macht und gewertet wird, was im Ring passiert, sollten die nächsten Kämpfe ihm gehören. Allerdings müsste dazu auch ein Boxer oder wenigstens ein sauberer Fighter der Gegner sein und, was noch wichtiger ist, es müsste ein vernüftiger Kampfrichter das Geschehen führen.
Danach sollte uns eigentlich eine größere Pause beglücken, doch uns interessierte, rein freizeittechnisch der angesetzte Kampf Ali Aazaoui aus Köln, angetreten für das Ghettocamp von Uwe Schuster, gegen den Hallenser Steve Krökel. Schon vor dem Kampf zeigte Aazaoui nicht unbedingt Fairness. Beim Pressewiegen gab es markante Sprüche, die er mit seinem schnellen K.O.-Sieg bei seinem ersten Profikampf begründete. Doch Krökel ist ein ausgebuffter Gegner. Wohl nicht ausgebufft genug. Schon vor der Ringglocke gab es ein Kopfstoß von Aazaoui. Natürlich nicht geahndet vom Ringrichter. Später dann Schläge auf den Kopf, so daß Krökel auf die Knie ging Hinterkopfschläge anzeigte ohne jede Reaktion des Unparteischen im Ring außer das Anzählen. Nach der letzten Runde, Sie lesen es richtig , nach der letzten Runde, schlug Aazaoui noch einmal zu und Krökel revanchierte sich. Von da an war der Kampf der beiden Boxer nicht zuende sondern eine außerordentliche Prügelei entwickelte sich. Die Aazaoui-Fans(?) reihten sich im Ring in das Gefecht mit ein. Der zweite Skandal an diesem Abend.
Unsere Einschätzung hiernach war gleichzusetzen mit der Frage: Ist das hier Rummelboxen? Werte Veranstalter und werte GBA wen wollt ihr damit beglücken? Habt ihr es nicht schwer genug in diesem Geschäft? Peinlich!
Steve Krökel, sowie seine Begleiter von 8M-Event schüttelten nur die Köpfe.
Wir warteten unterdessen auf den zweiten Hauptkampf des Abends:
Stan Johnson vom CVFS, der nicht umsonst den Kampfnamen the demolotion pear trägt, gegen Sven Haselhuhn, vom Uwe Schuster Camp aus Halle. Es sollte um die Junioren WM im Cruisergewicht nach Version der GBC gehen.
Vielleicht hätte man hier ebenso von Anfang an mit einem Skandal rechnen sollen doch im Vorgespräch mit Frank Seile und Stan Johnson hörte man heraus, das es nun doch wieder sportlich und fair sein sollte. Wir erinnern uns gern an die Aussagen vom Commander Schuster beim Pressetraining: er wollte harte und faire Kämpfe bieten, denn er selbst habe vom Beschiss die Schnauze voll (O-Ton Schuster).
Der Fight, der über 10 Runden gehen sollte, wurde wohl von beiden Seiten kürzer eingeschätzt. Die Taktik der beiden Gegner ging wohl in Richtung K.O. des anderen. Haselhuhn hatte allerdings wenig zu bieten. Fast enttäuschend: Jede linke vom Kameruner Johnson traf eindeutig. Es sah aus, als könnte Johnson zwischendurch mit dem Hallenser spielen, da jede Aktion gelang. In der dritten Runde musste der Commanderboxer Ringstaub schlucken. Ab diesem Moment wurde der Kampf streckenweise unschön. Haselhuhn legte sich die Taktik des Hinterkopfschläge anbringen zu. Trotz ewiges Zeigen des CVFS-Boxers auf diese unfairen Aktionen, wollte sich wohl der Ringrichter nicht einmischen. Boxexperten sahen Stan vorne, die Aggressivität und die eindeutigen Treffer kamen von ihm. Selbst bei den unsportlichen Attacken des Publikumslieblings Haselhuhn blieb Johnson stets Herr im Ring. Er setzte genau das um, was wir trainiert haben! sagte sein Trainer Seile nach dem Kampf. Zum Ende des Fights fühlten sich wohl beide Kämpfer als Sieger, was den einen oder anderen in der Halle ungläubig schauen lies. Dann das Skandalurteil: 95 zu 96 damit ging der Titel nach Halle. Auch hier wieder, Stan lag vorn vielleicht mit Heimvorteil und das man viele Hallenser Fans nicht enttäuschen wollte und noch einem aus den Fingern gesogener Grund wäre vielleicht ein Unendschieden möglich aber auch mehrfach gescheiterte Versuche Haselhuhns Serienschläge ins Ziel zu bringen waren vergeblich. Diese gingen eideutig auf Johnson seine gute kompakte Doppeldeckung und konnten eigentlich so nicht gewertet werden. EIGENTLICH!
Selbst das wäre schon ein kleiner Skandal in unseren Augen gewesen. Auch hier richten sich unsere fragenden Augen an den Verband, diesmal GBC.
Vor wenigen Wochen, in Weißwasser, hat man einen Titelkampf ebenso als unentschieden gewertet. Vielleicht lag es dort unter anderem daran, das die richtigen Leute am Ring saßen und man dem Supervisor sonst Rede und Antwort hätte stehen müssen. In Halle hatte man wohl diese sportliche Fairness mit den Regengüssen weggespült.
Unsere Enderkenntnis vom Boxabend: Die Kracher waren draußen, dank dem Gewitter, im Ring, dank der teilweisen sehr guten Kämpfer und am Ring. Und nicht immer sind Kracher wirklich positiv.
Das Resümee vom Trainer Frank Seile (CVFS): Wir wollen auf keinen Fall mehr auf Veranstaltungen boxen, wo vor einheimischen Publikum mit nur einem Kampfrichter, mit so genannten Alleinentscheid geboxt werden soll. Da können wir gleich das Urteil nur nach der Lautstärke der Fans ergehen lassen. Und ich selber war sehr laut am Ring!
Und noch eine Frage an den Commander: Wie war das Herr Schuster, zwecks ich habe von Beschiss die Schnauze voll? Vielleicht können Sie diese Aussage den Boxfans nach dem gestrigen Abend erklären.
PS: Die Videos dazu - in den nächsten Tagen auf www.FIGHTtv.de